Hämorrhoiden

Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind ein Teil unseres Körpers und gehören in den Enddarm wie die Finger an der Hand. Es ist keine Krankheit. Das Wort Hämorrhoide setzt sich aus den griechischen Wörtern "haima" (Blut) und "rhoos" (fließen) zusammen. Anatomisch gesehen sind Hämorrhoiden blutgefüllte Schwellkörper unter der Schleimhaut des unteren Enddarms. Hauptaufgabe dieser Schwellkörper ist die Abdichtung des schleimbildenden Enddarms (oder auch Mastdarm), gegenüber dem trockenen Analkanal. Diese Feinschlussfunktion der Hämorrhoiden macht ca 15% unseres Kontinenzorgans aus und ist daher sehr nützlich. 

 

Das Hämorrhoidalleiden

Erst bei einer Vergrößerung der Hämorrhoiden oder bei einsetzenden Beschwerden sprechen wir von dem Hämorrhoidalleiden als Krankheitsbild. Das Hämorrhoidalleiden ist eine der häufigsten Erkrankungen in den Industrienationen und in Deutschland werden jährlich ca. 3,3 Millionen Patienten durch Ärzte behandelt.

 

Der Häufigleitsgipfel der Hämorrhoiden Beschwerden liegt zwischen dem 45. bis 65. Lebensjahr. Das Hämorrhoidalleiden betrifft Frauen und Männer ungefähr gleich. Die Positionen der Hämorrhoiden werden aus der Sicht des Arztes vor dem Patienten beschrieben und finden sich bei 3, 7 und 11 Uhr. Es handelt sich also immer um 3 Knoten.

 

Im Unterschied zu anderen Erkrankungen im After- und Enddarmbereich macht das Hämorrhoidalleiden in der Regel keine Schmerzen. Bemerkbar werden die Vergrößerungen oft durch hellrote Blutauflagerungen auf dem Toilettenpapier oder schmerzlose hellrote Blutungen aus dem After.

 

Weitere Beschwerden können Schleimfluss aus dem After, Juckreiz, Brennen, Nässen und ein Fremdkörpergefühl sein. In fortgeschrittenen Stadien kann auch ein Stuhlschmieren aufgrund des unzureichenden Verschlusses auftreten.

 

Risikofaktoren für ein Hämorrhoidalleiden

Es werden verschiedene Risikofaktoren für die Entstehung von normal funktionierenden Hämorrhoiden in ein Hämorrhoidalleiden diskutiert. Hauptursache ist jedoch ein Umbau des Hämorrhoidengewebes mit nachfolgendem Absinken der Polster in den Analkanal. 

  • Akute oder chronische Verstopfung (Obstipation)
  • Körperliche Anstrengung oder Krafttraining
  • Erhöhter Alkoholkonsum und scharfe Ernährung
  • Bewegungsarmut
  • Ballaststoffarme Ernährung (fraglich)
  • Übergewicht (fraglich)
  • Durchfall (fraglich)

Kein Zusammenhang mit der Entstehung eines Hämorrhoidalleidens konnte bisher für das Geschlecht, Familienstand, Vererbung, Bildungsgrad, Schwangerschaften und Art der Entbindung festgestellt werden.

 

Hämorrhoiden Einteilung

Das Hämorrhoidalleiden wird nach der Größe der Hämorrhoidenknoten in 4 Grade nach Goligher eingeteilt. Dabei können aber auch gleitende Übergänge bestehen, so dass es z.B. auch zu der Bezeichnung Grad 1-2 kommen kann.

 

Grad 1

Die Hämorrhoiden sind von außen nicht zu sehen oder  zu tasten. Zur Diagnose wird ein kleines Gerät in den After eingeführt (Proktoskop)

Grad 2

Beim Pressen können die Hämorrhoiden kurzzeitig aus dem Analkanal hervortreten, ziehen sich jedoch spontan wieder zurück. 

Grad 3

Die Hämorrhoiden treten beim Pressen aus dem After aus, und müssen mit dem Finger zurückgeschoben werden.

Grad 4

Die Hämorrhoiden treten dauerhaft aus dem Analkanal hervor und können nicht mehr zurückgeschoben werden.


Hämorrhoiden können einzeln als Knoten oder an allen 3 Stellen auftreten. Dieses wird dann als zirkulärer Prolaps bezeichnet. Meistens kann dieser Prolaps wieder mit dem Finger zurückgeschoben werden. 

Bei dem reinen Hämorrhoidalprolaps sind die Hämorrhoiden mit einer feinen, feuchten und leicht rosafarbenen Haut bedeckt, der Schleimhaut (Mukosa). Häufig tritt aber auch noch die Haut am Aftereingang (Anoderm) mit heraus, was dann als Anodermprolaps bezeichnet wird.    

 

Dieser nur durch den erfahrenen Arzt oder besser Proktologen zu diagnostizierender Unterschied ist in Bezug auf die Therapie und evtl. Auswahl der Operationsmethoden wichtig.

Müssen Hämorrhoiden immer behandelt werden?

Da es sich um eine gutartige Erkrankung handelt, muss ein Hämorrhoidalleiden im Anfangsstadium nicht zwingend behandelt werden. Allerdings nehmen die Beschwerden in der Regel zu und der Juckreiz und die Blutungen sind für viele Patienten besonders lästig. Ohne eine Behandlung bzw. Änderung eigener Verhaltensweisen, werden die Hämorrhoiden immer größer und können bis zu einem Verlust der Stuhlkontrolle (Inkontinenz) führen. Stark vergrößerte Hämorrhoiden, die  aus dem After heraushängen können auch Einklemmen, was zu einem proktologischen Notfall führt und sehr schmerzhaft ist. Daher ist eine Vorbeugung ratsam.

 

Was können die Patienten tun?

Eine erste Maßnahme besteht darin, einen geregelten Stuhlgang zu erreichen. Dazu gehört die ballaststoffreiche Ernährung mit z.B. Obst und Gemüse, Kleie und Leinen. Eine ausreichende Trinkmenge mit zwei Litern Tee oder Wasser am Tag lassen die Ballaststoffe quellen, was den Stuhl weicher macht. Es ist außerdem wichtig, sich täglich mit Ausdauersport zu bewegen, damit der Darm nicht zu träge wird. Kraftsport ist aufgrund des hohen Bauchdruckes eher ungünstig.

 

Die Toilettensitzungen sollten nicht länger als drei bis fünf Minuten dauern und die abschließende Toilettenhygiene sollte nur aus klarem Wasser und weichem Toilettenpapier bestehen. Auf keinen Fall darf zu stark gewischt werden, da das die sensible Haut am After reizt und zu starkem Juckreiz führen kann.

 

Ebenso ist zu viel Wasserkontakt zu vermeiden, da die Haut austrocknet, was wiederum zu einem verstärkten Juckreiz führt. Unterstützend können Salben und Zäpfchen für Hämorrhoidalleiden aus der Apotheke verwendet werden, die Linderung verschaffen und unbedenklich sind.

 

Therapie bei Hämorrhoiden durch den Proktologen

Wenn die Änderung der Verhaltensweise der Patienten nicht ausreicht, wird die Hilfe des Arztes oder besser die eines Proktologen benötigt. Hierbei handelt es sich um speziell ausgebildete Ärzte (Chirurgen, Dermatologen, Gastroenterologie) für sämtliche Erkrankungen und Leiden im Enddarmbereich.

 

Hämorrhoiden Grad 1 und 2 können ohne Operation mittels Minimal Invasiver Therapie mit einer Gummibandligatur oder Sklerosierungstherapie (Verödung) behandelt werden. Wichtig ist hier jedoch eine ballaststoffreich Kost und eine größere Flüssigkeitsaufnahme fortzuführen, um ein Wiederkehren (Rezidiv) der Beschwerden zu vermeiden.

 

Hämorrhoiden Grad 3 und 4 (ca. 10 % der Patienten mit Hämorrhoidalleiden) besteht die Notwendigkeit einer Operation. Dabei wird grundsätzlich zwischen der Hämorrhoidenentfernung wie der Operation nach Milligan-Morgan, dem Anheben und Raffung der Hämorrhoiden (Hämorrhoidopexie) wie dem Klammernahtverfahren nach Longo und dem Hämorrhoidenverschluß mit Naht und Raffung (HAL-RAR) unterschieden. 

 

Wir bieten darüber hinaus die besonders schonenden Minimal Invasiven Verfahren der Radiofrequenzablation (Rafaelo) und Lasertherapie (LHP) an, die bei Grad 2 und 3 angewandt werden können.

 

Was sagt die AWMF Leitlinie zu dem Thema Hämorrhoidalleiden

Im Jahre 2019 wurde eine Leitlinie zur Behandlung des Hämorrhoidalleidens von einer Expertengruppe erstellt.

An dieser Leitlinie sollten sich Proktologen, aber auch proktologisch tätige Ärzte orientieren.

  • Welche Diagnostik ist notwendig, welche verzichtbar?
  • Welche konservativen Therapiemöglichkeiten sind empfehlenswert?
  • Welche operativen Verfahren erreichen die optimalsten Ergebnisse?
  • Welche Narkoseverfahren sind vorteilhaft?
  • Welche postoperativen Maßnahmen und welche Art der Wundbehandlung ist sinnvoll?
  • Welche Komplikationsmöglichkeiten können auftreten, wie können sie therapiert werden
"Wir therapieren die meisten Hämorrhoidalleiden erfolgreich ohne eine Operation - falls es aber doch einmal sein muss, dann Minimal Invasiv"

Gerne können Sie online einen Termin unter www.doctolib.de bei unseren Ärzten buchen. Telefonisch sind wir unter 030 76 88 66 33 und als eMail unter info@copv.berlin für Sie erreichbar. Wir freuen uns.