Sinus Pilonidalis (Steißbeinfistel)

Der Begriff der Steißbeinfistel ist irreführend. Es handelt sich um eine reine Hauterkrankung ohne Beteiligung der Knochen. Er tritt vor allem bei jungen Männern auf. Frauen sind 6-7-fach seltener betroffen. Die Erkrankung entsteht wahrscheinlich dadurch, dass Haare umknicken und sich in die Haut zwischen den Gesäßseiten langsam einbohren. Um diese Haare bildet sich ein (Fistel-)Gang, der zu einer chronischen Entzündung führen kann. Im akuten Stadium kommt es zu einer Eiteransammlung (Abszess), die entweder spontan aufplatzt oder chirurgisch eröffnet werden muss. Es handelt sich bei der Eiteransammlung immer um eine chirurgische Therapie, Antibiotika sollten daher nicht verordnet werden.

Eine Eiterbildung muss aber nicht immer vorhanden sein. Der entstandene Gang (Fistel, Porus) bleibt in der Regel offen und „saugt“ immer neue Haare hinein, so dass die Krankheit immer weiter fortschreitet. Dies erklärt die Tatsache, warum häufig Soldaten betroffen sind: das lange Marschieren unter unhygienischen Bedingungen begünstigt das Einbohren der Haare in die Haut.

 

Eine Prophylaxe ist neben der regelmäßigen Analhygiene die Haarentfernung in dem betroffenen Gesäßabschnitt mittels Laser (Epilation). Leider werden diese Kosten nicht von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Klassifikation

Eine einheitliche nationale oder internationale Klassifikation ist gegenwärtig noch nicht etabliert. Wichtig ist, dass es verschiedene Ausprägungen gibt und daher auch verschiedene Operationsmöglichkeiten eingesetzt werden sollten. Die klassische, großflächige Ausschneidung, wie es heutzutage in den meisten Kliniken üblich ist, sollte nicht mehr angewandt werden. Es gibt gute Alternativen. 

Typ 1    Normale Pits

Typ 1a  Keine Symptome  

Typ 1b  Symptome (Druckgefühl, Schmerz, Flüssigkeit)

 

OP: Ohne Symptome Abwarten oder Pit Picking.

Mit Symptomen Pit Picking


Typ 2    Akuter Abszess

Die Pits sind nicht mehr zu sehen. Es besteht eine schmerzhafte, rote Schwellung und es bedarf einer sofortigen Eröffnung und Entlastung.

 

OP: Sofortige Entlastung in Lokalanästhesie und nach 4-6 Wochen erfolgt die Operation im Pit Picking Verfahren oder Sinusektomie.


Typ 3    Chronische Pits mit Beschwerden in der Mittellinie

Es handelt sich um eine chronische Entzündung mit Schmerzen und Flüssigkeitsaustritt aus den Fistelgängen. Es kommt zu wiederholten Eiteransammlungen. Eine Operation sollte unbedingt durchgeführt werden.

 

OP: In Lokalanästhesie Pit Picking in Kombination mit einer Fistelektomie, um die in einer Höhle liegenden Haare zu entfernen. 


Typ 4    Chronische Pits mit Beschwerden auch außerhalb       der Mittellinie

Wie bei Typ 3 handelt es sich auch um eine chronische Entzündung mit Schmerzen und Flüssigkeitsaustritt. Die Pits und Fistelausgänge sind hier jedoch auch außerhalb der Mittellinie, weshalb eine chirurgische Intervention umfangreicher ist. 

 

OP: In Lokalanästhesie Pit Picking in Kombination mit einer Fistelektomie oder einer plastischen Deckung im Cleft Lift Verfahren


Typ 5    Rezidiv

Wiederkehrender Sinus Pilonidalis. Dabei sind die Ausprägung und die Beschwerden unerheblich für die Einteilung.

 

OP: Bei Rezidiven hängt die Wahl der Operation von dem Befund ab. Es kann Pit Picking durchgeführt werde, aber besser erfolgt die Ausschneidung (Sinusektomie) oder eine plastische Deckung im Cleft Lift oder Karydakis Verfahren.