Hämorrhoidalleiden

Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind ein Teil unseres Körpers und gehören in den Enddarm. Es handelt sich um blutgefüllte Schwellkörper unter der Schleimhaut des unteren Enddarms und sind per se keine Krankheit. Hauptaufgabe dieser Schwellkörper ist die Abdichtung des schleimbildenden Enddarms (oder auch Mastdarm), gegenüber dem trockenen Analkanal. Diese Feinschlussfunktion macht ca 15% unseres Kontinenzorgans aus und daher sehr nützlich.  Bei einer Vergrößerung der Schwellkörper sprechen wir von dem Hämorrhoidalleiden als Krankheitsbild.

 

Im Unterschied zu anderen Erkrankungen im After- und Enddarmbereich macht das Hämorrhoidalleiden in der Regel keine Schmerzen. Bemerkbar werden die Vergrößerungen oft durch hellrote Blutauflagerungen auf dem Toilettenpapier oder schmerzlose hellrote Blutungen aus dem After. Weitere Beschwerden können Schleimfluss aus dem After, Juckreiz, Brennen, Nässen und ein Fremdkörpergefühl sein. In fortgeschrittenen Stadien kann auch ein Stuhlschmieren aufgrund des unzureichenden Verschlusses  auftreten.

 

Das Hämorrhoiden werden nach Größe in 4 Stadien (Graden) unterteilt, die gleitende Übergänge haben:

 

Stadium 1 (Grad 1°)
Die Hämorrhoiden sind von außen nicht zu sehen oder  zu tasten. Zur Diagnose wird ein kleines Gerät in den After eingeführt (Proktoskop)

Stadium 2 (Grad 2°)
Beim Pressen können die Hämorrhoiden kurzzeitig aus dem Analkanal hervortreten, ziehen sich jedoch spontan wieder zurück. Dieses kann jedoch nur in der Hocke und nicht im Liegen provoziert werden.

Stadium 3 (Grad 3°)
Die Hämorrhoiden treten beim Pressen aus dem After aus, und müssen mit dem Finger zurückgeschoben werden.

Stadium 4 (Grad 4°)
Die Hämorrhoiden treten dauerhaft aus dem Analkanal hervor und können nicht mehr zurückgeschoben werden.

 

Müssen Hämorrhoiden immer behandelt werden?

Da es sich um eine gutartige Erkrankung handelt, muss ein Hämorrhoidalleiden nicht zwingend behandelt werden. Allerdings nehmen die Beschwerden in der Regel zu und der Juckreiz und die Blutungen sind für viele Patienten besonders lästig. Ohne eine Behandlung bzw. Änderung eigener Verhaltensweisen, werden die Hämorrhoiden immer größer und können bis zu einem Verlust der Stuhlkontrolle (Inkontinenz) führen. Stark vergrößerte Hämorrhoiden, die  aus dem After heraushängen können auch Einklemmen, was zu einem proktologischen Notfall führt und sehr schmerzhaft ist. Daher ist eine Vorbeugung ratsam.

 

Was können die Patienten tun?

Eine erste Maßnahme besteht darin, einen geregelten Stuhlgang zu erreichen. Dazu gehört die ballaststoffreiche Ernährung mit z.B. Obst und Gemüse, Kleie und Leinen. Eine ausreichende Trinkmenge mit zwei Litern Tee oder Wasser am Tag lassen die Ballaststoffe quellen, was den Stuhl weicher macht. Es ist außerdem wichtig, sich täglich mit Ausdauerprogrammen zu bewegen, damit der Darm nicht zu träge wird. Kraftsport ist aufgrund des hohen Bauchdruckes eher ungünstig.

Die Toilettensitzungen sollten nicht länger als drei bis fünf Minuten dauern und die abschließende Toilettenhygiene sollte nur aus klarem Wasser und weichem Toilettenpapier bestehen. Auf keinen Fall darf zu stark gewischt werden, da das die sensible Haut am After reizt und zu starkem Juckreiz führen kann. Ebenso ist zu viel Wasserkontakt zu vermeiden, da die Haut austrocknet, was wiederum zu einem verstärkten Juckreiz führt. Unterstützend können Salben und Zäpfchen für Hämorrhoidalleiden aus der Apotheke verwendet werden, die Linderung verschaffen und unbedenklich sind.

 

Was kann der Arzt machen?

Wenn die Verhaltensweise der Patienten nicht ausreicht, wird die Hilfe des Proktologen benötigt. Hierbei handelt es sich um speziell ausgebildete Ärzte für sämtliche Erkrankungen und Leiden im Enddarmbereich. Hämorrhoiden im Stadium 1 und 2 können ohne Operation mit einer Gummibandligatur oder Sklerosierungstherapie (Verödung) behandelt werden. Wichtig ist hier besonders die diätische Therapie (ballaststoffreich Kost) und eine größere Flüssigkeitsaufnahme.

Im Stadium 3 und 4 (ca. 10 % der Patienten mit Hämorrhoidalleiden), besteht die Notwendigkeit einer Operation. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen der Hämorrhoidenentfernung, dem Staplerverfahren nach Longo und der dopplersonografisch gesteuerten Hämorrhoidenarterienligatur (HAL).